Über das Projekt

Orte der Zwangsarbeit

Zwangsarbeit im Nationalsozialismus – was so schwer greifbar und bisher im öffentlichen Gedenken eher wenig präsent ist, hoffen wir konkreter zu machen, indem wir, Studierende des Masterstudiengangs Osteuropastudien (LMU/Uni Regensburg) einzelne Orte und Schicksale bisher wenig beachteter Opfergruppen untersuchen:

 

Das KZ-Außenlager Kaufering VII

Kaufering VII war eines von über 100 Nebenlagern des KZ Dachau, das der Rüstungsproduktion diente. Die Häftlinge mussten in Erdhütten leben, deren Erhalt und Pflege heute zu Konflikten um Zuständigkeiten führt.

 

Das KZ-Außenlager Utting

In Utting am Ammersee, ungefähr 50 Kilometer von München entfernt, befanden sich vermutlich zwei KZs des Dachauer Außenlagerkomplexes Kaufering. Hier mussten Häftlinge in einer Betonfabrik Fertigteile herstellen. Außerdem wurden sie teilweise direkt für den Bau einer unterirdischen Rüstungsfabrik mit Decknamen “Weingut II” in der Nähe von Landsberg am Lech eingesetzt. Heute ist wenig über die Lager, besonders das umstrittene Lager V, bekannt. Zwar gibt es ein Luftbild des KZ Kaufering X, vom Lager V fehlt jedoch jede Spur. Nur ehemalige Häftlinge berichteten in Erinnerungen von dem Lager V in Utting. Mithilfe von Zeitzeugen und -zeuginnen sowie Dokumenten erforschen wir, was damals genau in Utting passiert ist und wo die Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Außerdem untersuchen wir, wie das Dorf heute mit seiner Vergangenheit umgeht.

 

Frauen und sogenannte “Asoziale” als unbekannte Opfergruppe

Dass es in Konzentrationslagern, auch Dachau, Lagerbordelle gab, in denen sich weibliche Gefangene prostituieren mussten, ist auch heute noch kaum bekannt und ein Beispiel dafür, welch geringen Stellenwert Frauenschicksale im NS-Gedenken besitzen. Auch die Schicksale der Menschen, die während des Nationalsozialismus als “Asoziale” stigmatisiert wurden – unter anderem Alkoholiker_innen, Obdachlose, Prostituierte und Straftäter – bekommen kaum Platz im öffentlichen Gedenken. Wir werden einige ihrer Geschichten vorstellen.

 

Zwangsarbeiterlager Neuaubing

Der Ort, der von 1942-1945 Unterkunft von über 1000 Zwangsarbeiter_innen war, genießt seit einigen Jahren mehr und mehr öffentliches Interesse. Seit den 1980er Jahren arbeiten hier Künstler_innen und Handwerker_innen. Nun soll es eine Außenstelle des NS-Dokumentationszentrums werden. Wir untersuchen die Konflikte, die eine solche Institutionalisierung mit sich bringt.

 

Heeresmunitionsdepot “MUNA” Hohenbrunn

In Hohenbrunn arbeiteten 780 ausländische Zwangsarbeiter_innen, von denen ein Großteil aus der Sowjetunion sowie aus dem Protektorat Böhmen und Mähren stammte. Die Arbeitsbedingungen waren gefährlich – mehrere von ihnen kamen bei Explosionen ums Leben. Ein großer Teil des Geländes ist bis heute nicht öffentlich zugänglich, ein anderer Teil wird als Gewerbegebiet genutzt. Erst vor kurzem entschloss sich der Gemeinderat, einen Gedenkstein auf dem Gelände zu aufzustellen. Uns beschäftigt, warum so lange kein Interesse an der Aufarbeitung des nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Bundeswehr genutzten Geländes bestand.

 

Bombensuchkommando

Zwangsarbeiter_innen wurden auch gezwungen unter Lebensgefahr Bomben zu entschärfen. Die Zentrale des Kommandos befand sich in der Stielerstraße, wo heute auch eine Gedenkplakette angebracht ist. Wir möchten herausfinden, ob es darüber hinaus noch lokales Gedenken an diese gefährliche Aufgabe gibt.

 

Kinder und die Zwangsarbeit

Zwar durften Jugendliche offiziell erst mit 16 Jahren für Arbeitseinsätze “genutzt” werden – doch es gab zahlreiche Fälle, in denen Verantwortliche Pässe fälschten, um diese Regel zu umgehen.  Oftmals hatten die Kinder keinerlei oder wenig Kontakt zu ihrer Familie und litten unter den schweren Arbeitsbedingungen. Wenig bekannt sind auch jene eher seltenen Fälle von Kindern, die von Zwangsarbeiterinnen geboren wurden. Wir wollen einigen von ihnen ein Gesicht geben.

 

2 thoughts on “Über das Projekt

  • Gustav Dick Juli 2, 2017 at 15:37 Reply

    Lied der Moorsoldaten
    1934, im KZ Börgermoor im Emsland geschrieben und komponiert.

    Wohin auch das Auge blicket,
    Moor und Heide nur rings um.
    Vogelsang uns nicht erquicket,
    Eichen stehen kahl und stumm.
    Wir sind die Moorsoldaten
    und ziehen mit den Spaten ins Moor. (2 Strophe, 3. Strophe, nicht mehr mit den Spaten ins Moor.)
    Veranstaltung,15.07. 2017. 19:30 in Utting. Ein sehr bewegendes Lied!

  • Gustav Dick Juli 2, 2017 at 15:51 Reply

    Kommentar, siehe mein Text, Lied der Moorsoldaten

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